Parodontitis: Symptome, Stadien, Ursachen und Behandlung (der große Ratgeber)

Parodontitis: Symptome, Stadien, Ursachen und Behandlung (der große Ratgeber)

Das Wichtigste in einer Minute

  • Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats: Ausgelöst wird sie durch einen aus dem Gleichgewicht geratenen bakteriellen Biofilm, angetrieben durch die Entzündungsreaktion des eigenen Körpers.
  • Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weltweit mehr als 1 Milliarde Fälle schwerer Parodontalerkrankungen; in Deutschland haben nach der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6, 2025) rund 14 Millionen Menschen eine schwere Parodontalerkrankung.
  • Seit der internationalen Klassifikation von 2017 wird jede Parodontitis mit einem Stadium (I bis IV, Schweregrad) und einem Grad (A bis C, Fortschreitungsrate) beschrieben.
  • Rauchen erhöht das Parodontitis-Risiko laut einer Metaanalyse von 2018 um 85 %; Diabetes ist der zweite große Risikofaktor.
  • Parodontitis ist im strengen Sinn nicht heilbar, lässt sich aber stabilisieren: Die Europäische Föderation für Parodontologie (EFP) empfiehlt nach der Behandlung eine Nachsorge alle 3 bis 12 Monate.
  • Parodontitis schmerzt meist nicht, deshalb ist Zahnfleischbluten das Warnsignal, das Sie ernst nehmen sollten.

Die meisten Menschen hören das Wort Parodontitis zum ersten Mal auf dem Behandlungsstuhl, lange nachdem die Erkrankung still begonnen hat. Es gab keine Zahnschmerzen, nichts Dramatisches: nur etwas Rosa im Waschbecken nach dem Zähneputzen, einen Zahnfleischrand, der langsam nach oben zu wandern schien, oder eine neue Lücke zwischen zwei Zähnen.

Genau diese Stille macht Parodontitis so bedeutsam. Sie gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen der Welt und ist der Hauptgrund, warum Erwachsene Zähne verlieren. Gleichzeitig ist sie leicht zu erkennen und lässt sich in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen. Ob Sie Ihre Zähne behalten, hängt oft davon ab, wie früh Sie die Zeichen bemerken.

Dieser Ratgeber erklärt Definition, Symptome, Ursachen, Stadien, Diagnose, Behandlung und Vorbeugung. Zu jedem Thema finden Sie Verweise auf vertiefende Artikel.

Inhalt

  1. Was ist Parodontitis?
  2. Gingivitis oder Parodontitis: Was ist der Unterschied?
  3. Welche Symptome hat Parodontitis?
  4. Was sind die Ursachen von Parodontitis?
  5. Welche Stadien der Parodontitis gibt es?
  6. Wie wird Parodontitis diagnostiziert?
  7. Ist Parodontitis heilbar?
  8. Wie wird Parodontitis behandelt? Die vier Stufen der EFP
  9. Wie wirkt sich Parodontitis auf den übrigen Körper aus?
  10. Wie können Sie Parodontitis vorbeugen?
  11. Häufige Fragen zu Parodontitis

Was ist Parodontitis?

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Parodonts, also des Gewebes, das jeden Zahn im Kiefer verankert. Sie entsteht, wenn der bakterielle Biofilm am Zahnfleischrand aus dem Gleichgewicht gerät und die Abwehrreaktion des Körpers außer Kontrolle läuft: Nach und nach werden die Befestigung des Zahns und der umgebende Knochen zerstört.

Der Zahnhalteapparat besteht aus vier Teilen: dem Zahnfleisch (Gingiva), der Wurzelhaut (Fasern, die Wurzel und Knochen verbinden), dem Wurzelzement, der die Wurzel überzieht, und dem Kieferknochen (Alveolarknochen). In einem gesunden Mund umschließt das Zahnfleisch jeden Zahn eng wie ein Kragen. Dazwischen liegt nur eine flache Rinne, der Sulkus. Bei Parodontitis löst sich dieser Kragen, der Knochen wird abgebaut und der Zahn verliert seinen Halt.

Im Alltag hören Sie oft auch das Wort „Parodontose“. Laut der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) ist das die umgangssprachliche Bezeichnung für dieselbe Erkrankung; der Fachbegriff lautet Parodontitis. Die allgemeineren Begriffe „Parodontalerkrankung“ und „Zahnfleischerkrankung“ umfassen sowohl die Gingivitis als auch die Parodontitis.

Ein Ökosystem im Ungleichgewicht, keine einfache Infektion

Stellen Sie sich Ihren Mund eher wie einen Garten vor als wie einen Operationssaal. Hunderte Bakterienarten leben dort, die meisten harmlos oder sogar nützlich. Zahnbelag (Plaque) ist ihre organisierte Gemeinschaft: ein Biofilm, der sich jeden Tag neu auf den Zähnen bildet.

Problematisch wird es, wenn dieser Biofilm am Zahnfleischrand reift und darunter vordringt. Aggressivere Arten gewinnen die Oberhand (man spricht von Dysbiose), und das Immunsystem reagiert heftig. Der Immunologe George Hajishengallis fasst es so zusammen: Parodontitis ist eine dysbiotische Entzündungserkrankung mit negativen Folgen für die Allgemeingesundheit. Mit anderen Worten: Der Knochen geht vor allem verloren, weil die Entzündung entgleist, und nicht allein wegen der Bakterien.

Deshalb ist das Ziel der täglichen Pflege nicht, den Mund keimfrei zu machen, sondern den Biofilm dort regelmäßig zu stören, wo er Schaden anrichtet. Diesen Gedanken vertiefen wir in Ein neues Paradigma der Mundgesundheit.

Wie häufig ist Parodontitis?

Parodontitis gehört zu den am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankungen weltweit. Nach dem Faktenblatt der WHO zur Mundgesundheit entfallen auf schwere Parodontalerkrankungen schätzungsweise mehr als 1 Milliarde Fälle weltweit; die wichtigsten Risikofaktoren sind mangelnde Mundhygiene und Tabakkonsum.

Eine 2014 im Journal of Dental Research veröffentlichte globale Übersichtsarbeit bezifferte die altersstandardisierte Prävalenz schwerer Parodontitis auf 11,2 %. Damit lag sie auf Platz sechs der häufigsten Erkrankungen der Welt. Rechnet man alle Stadien ein, schätzt die Europäische Föderation für Parodontologie, dass rund 40 % der Menschen an Parodontitis leiden und etwa 70 % der Zahnverluste bei Erwachsenen auf sie zurückgehen.

Für Deutschland liefert die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6), 2025 vom Institut der Deutschen Zahnärzte vorgestellt, aktuelle Zahlen: Rund 14 Millionen Menschen haben eine schwere Parodontalerkrankung. Eine schwere Parodontitis (Stadium III oder IV) betrifft 17,5 % der jüngeren Erwachsenen (35 bis 44 Jahre) und 52,7 % der jüngeren Seniorinnen und Senioren (65 bis 74 Jahre), also jeden Zweiten in dieser Altersgruppe. Bei den jüngeren Erwachsenen zeigen nur knapp 4 % überhaupt keine Zeichen einer Parodontalerkrankung.

Diese Zahlen widersprechen sich nicht: Manche zählen nur schwere Formen, andere alle Stadien der Erkrankung.

Gingivitis oder Parodontitis: Was ist der Unterschied?

Gingivitis ist eine Entzündung, die nur das Zahnfleisch betrifft, und vollständig umkehrbar. Parodontitis ist die nächste Stufe: Die Entzündung hat die Zahnbefestigung und den Knochen erreicht. Nicht jede Gingivitis wird zur Parodontitis, aber jede Parodontitis beginnt mit einer Gingivitis.

Gingivitis Parodontitis
Betroffenes Gewebe Nur das Zahnfleisch Zahnfleisch, Wurzelhaut, Wurzelzement und Knochen
Typische Zeichen Rotes, geschwollenes Zahnfleisch, das blutet Dieselben Zeichen plus Zahnfleischtaschen, Zahnfleischrückgang, lockere Zähne
Knochenabbau Nein Ja, im Röntgenbild sichtbar
Umkehrbar? Ja, mit guter täglicher Mundhygiene Stabilisierbar, aber verlorener Knochen wächst nicht von selbst nach
Was nötig ist Bessere Mundhygiene, professionelle Reinigung Schrittweise Parodontitistherapie und lebenslange Nachsorge

Ob eine Gingivitis in eine Parodontitis übergeht, entscheiden vor allem die persönliche Anfälligkeit, das Rauchen und Diabetes. 

Welche Symptome hat Parodontitis?

Die ersten Symptome einer Parodontitis sind unauffällig: Zahnfleisch, das beim Zähneputzen oder bei der Zahnzwischenraumreinigung blutet, Rötungen, Schwellungen und Mundgeruch. Spätere Zeichen zeigen einen bereits eingetretenen Knochenverlust: Zahnfleischrückgang, Zähne, die auseinanderwandern oder locker werden, manchmal Eiter. Schmerzen sind selten, deshalb wird die Erkrankung so oft spät entdeckt.

Wann? Symptome Was sie bedeuten
Früh Bluten beim Putzen oder bei der Zahnzwischenraumreinigung, rotes und geschwollenes Zahnfleisch Aktive Zahnfleischentzündung
Früh Anhaltender Mundgeruch oder schlechter Geschmack Biofilm sammelt sich unter dem Zahnfleisch
Mittel Zahnfleischrückgang, Zähne wirken länger, Kälteempfindlichkeit Verlust der Befestigung, freiliegende Wurzel
Mittel Neue Lücken zwischen den Zähnen, Speisereste bleiben hängen Zähne wandern, weil Knochen verloren geht
Spät Lockerer Zahn, ein Zahn fühlt sich beim Zubeißen „zu hoch“ an Deutlicher Knochenabbau
Spät Eiter am Zahnfleischrand, Abszess, schmerzhafte Schwellung Infektion in einer tiefen Tasche

Das Bluten ist das wichtigste Signal und zugleich das am häufigsten übersehene: Gesundes Zahnfleisch blutet nicht, auch nicht bei der Reinigung mit Zahnseide. Auch Zahnärztinnen und Zahnärzte stützen sich auf diesen Hinweis. In einer klassischen Studie von 1986 hatten Stellen, die bei allen vier Kontrollen auf Sondierung bluteten, eine Wahrscheinlichkeit von 30 %, Befestigung zu verlieren; bei Stellen, die nie bluteten, waren es nur 1,5 %. Kein Bluten ist eines der besten Zeichen für Stabilität.

Wandert der Zahnfleischrand nach unten und werden die Wurzeln sichtbar, spricht man von Zahnfleischrückgang. Warum das passiert und wie Sie ihn aufhalten, erklären wir in Zahnfleischrückgang: Ursachen, Anzeichen und was hilft. Und wenn sich ein Zahn bereits bewegt, hilft Ihnen unser Artikel Lockerer Zahn bei Erwachsenen: Ursachen und was zu tun ist einzuschätzen, wie dringend es ist.

Wann Sie ohne Zögern zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt gehen sollten

  • Ihr Zahnfleisch blutet seit mehr als ein paar Tagen regelmäßig beim Zähneputzen.
  • Ein Zahn bewegt sich, hat seine Position verändert, oder zwischen zwei Zähnen ist eine neue Lücke entstanden.
  • Eiter, ein Abszess oder eine Schwellung des Zahnfleischs, vor allem mit Fieber: Suchen Sie umgehend eine Notfallbehandlung auf.
  • Wenn Sie Diabetes haben, rauchen, schwanger sind oder nahe Verwandte früh Zähne verloren haben, lassen Sie Ihr Zahnfleisch auch ohne Beschwerden untersuchen.

Was sind die Ursachen von Parodontitis?

Die eigentliche Ursache der Parodontitis ist bakterieller Biofilm, der sich am und unter dem Zahnfleischrand ansammelt. Biofilm allein reicht jedoch nicht: Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Veranlagung und Stress entscheiden, ob die Entzündung oberflächlich bleibt oder den Knochen angreift. Deshalb können zwei Menschen mit ähnlichen Putzgewohnheiten ganz unterschiedliche Verläufe haben.

Faktor Was die Studienlage sagt Was Sie tun können
Biofilm (Plaque) Der unverzichtbare Ausgangspunkt der Erkrankung Zweimal täglich putzen und täglich die Zahnzwischenräume reinigen
Rauchen Erhöht das Parodontitis-Risiko um 85 % (Metaanalyse 2018) Mit dem Rauchen aufhören: der wirksamste Hebel
Diabetes Ein wichtiger Einflussfaktor, mit Wechselwirkung in beide Richtungen Blutzucker gut einstellen, Ihr Zahnarztteam informieren
Veranlagung Bis zu einem Drittel der Unterschiede zwischen Menschen ist genetisch bedingt Früh untersuchen lassen, wenn Parodontitis in der Familie vorkommt
Stress In vielen Studien mit der Erkrankung verbunden, ursächlicher Zusammenhang nicht belegt Auf die allgemeine Gesundheit achten, Kontrollen regelmäßig wahrnehmen
Schwangerschaft Hormone machen das Zahnfleisch anfälliger für Entzündungen Während der Schwangerschaft eine zahnärztliche Kontrolle einplanen

Rauchen ist zudem tückisch: Es vermindert das Zahnfleischbluten und verdeckt damit das wichtigste Warnsignal.

Zur Veranlagung kam eine systematische Übersichtsarbeit von 2019 zu dem Schluss, dass bis zu einem Drittel der Varianz der Parodontitis in der Bevölkerung genetisch bedingt ist, bei schweren Formen sogar mehr. Wer eine Anfälligkeit erbt, erbt aber nicht die Erkrankung selbst. Ansteckung, Vererbung und weitere Risikofaktoren behandeln wir in Ist Parodontitis ansteckend oder erblich? Die Risikofaktoren.

Welche Stadien der Parodontitis gibt es?

Seit der Klassifikation des World Workshop von 2017 wird Parodontitis mit einem Stadium und einem Grad beschrieben. Das Stadium (I bis IV) gibt an, wie schwer die Erkrankung ist und wie aufwendig die Behandlung wird; der Grad (A bis C) schätzt ein, wie schnell sie fortschreitet und wie wahrscheinlich eine Verschlechterung ist.

Dieses Schema, auf das sich die amerikanische und die europäische Fachgesellschaft für Parodontologie geeinigt haben, hat die früheren Bezeichnungen „chronische“ und „aggressive“ Parodontitis abgelöst. In Ihrem Befund kann also zum Beispiel „Parodontitis Stadium III, Grad B“ stehen.

Die vier Stadien der Parodontitis

Stadium Was es bedeutet Was die Fachperson feststellt
Stadium I: Anfangsstadium Der Befestigungsverlust hat gerade begonnen Geringer Befestigungsverlust, flache Taschen, kein Zahnverlust durch die Erkrankung
Stadium II: moderat Eingetretene, aber begrenzte Schäden Knochenabbau im Röntgenbild sichtbar, auf den oberen Wurzelbereich beschränkt
Stadium III: schwer Starke Zerstörung, einzelne Zähne gefährdet Tiefe Taschen, Knochendefekte, manchmal bereits verlorene Zähne
Stadium IV: fortgeschritten Das gesamte Gebiss ist gefährdet Lockere oder gewanderte Zähne, Kauprobleme, aufwendige Wiederherstellung

Das Stadium sinkt nach der Behandlung nicht wieder: Ein behandeltes Stadium III bleibt ein stabiles Stadium III. Das erinnert daran, dass die Nachsorge weitergehen muss.

Die drei Grade: Wie schnell schreitet Parodontitis fort?

Grad Fortschreitungsrate Typische Hinweise
Grad A Langsam Wenig Zerstörung trotz Belägen, keine Risikofaktoren
Grad B Moderat Schäden entsprechen der Belagsmenge; der Standardgrad
Grad C Schnell Mehr Zerstörung, als die Belagsmenge erklärt, häufig starkes Rauchen oder schlecht eingestellter Diabetes

Der Grad richtet sich nach dem Fortschreiten, das auf früheren Röntgenbildern oder Befunden erkennbar ist, und wird je nach Risikofaktoren angepasst. Er zeigt Ihrem Zahnarztteam, wie oft Sie zur Kontrolle kommen sollten.

Wie wird Parodontitis diagnostiziert?

Parodontitis wird mit einer Taschenmessung (Sondierung) und Röntgenaufnahmen diagnostiziert. Die Zahnärztin, der Zahnarzt oder die Fachpraxis für Parodontologie misst in Millimetern die Tiefe des Spalts rund um jeden Zahn, erfasst Bluten, Zahnfleischrückgang und Lockerung und beurteilt anschließend die Knochenhöhe.

Eine Zahnfleischtasche (parodontale Tasche) ist der krankhafte Spalt, der zwischen Zahnfleisch und Wurzel entsteht, wenn die Befestigung zerstört wird. Zur Messung wird eine feine Sonde mit Millimeterskala an mehreren Stellen jedes Zahns sanft eingeführt. Zusammen ergeben diese Messwerte den Parodontalstatus, eine Landkarte Ihres Mundes.

Die Taschentiefe ist entscheidend für die Zukunft jedes Zahns. Welche Tiefe normal ist und ob sich eine Tasche wieder schließen kann, lesen Sie in Zahnfleischtasche: normale Tiefe und kann sie sich schließen?.

Röntgenbilder zeigen die Knochenhöhe rund um die Wurzeln. Ihr Zahnarztteam fragt außerdem nach Rauchen, Diabetes, Medikamenten und Erkrankungen in der Familie, bevor es Stadium und Grad festlegt.

Gibt es einen Selbsttest für Parodontitis?

Einen ersten Anhaltspunkt bietet der Parodontitis-Risikoscore der DG PARO. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie hat diesen Selbsttest zusammen mit der Universität Greifswald entwickelt und validiert: Mit sieben einfachen Fragen schätzen Sie Ihr persönliches Risiko zu Hause ein. Ein Selbsttest ersetzt aber keine Untersuchung, die Diagnose stellt immer Ihre Zahnarztpraxis.

Ist Parodontitis heilbar?

Parodontitis ist nicht heilbar im Sinne einer Rückkehr zum Ausgangszustand: Verlorener Knochen wächst nicht von selbst nach. Die Erkrankung lässt sich aber stoppen und langfristig stabil halten, mit Zahnfleisch, das nicht mehr blutet, und Taschen, die sich schließen.

Der Schweizer Zahnärzteverband SSO sagt auf seiner Patientenseite zum Zahnfleischbluten dasselbe: Eine bestehende Parodontitis kann durch eine systematische Behandlung meist zum Stillstand gebracht werden. Die Klassifikation von 2017 hat für dieses Ergebnis sogar einen eigenen Begriff: parodontale Gesundheit bei reduziertem Parodont. Das Gewebe steht tiefer als früher, ist aber gesund und stabil, wie ein Garten, der nach einem Sturm neu bepflanzt wurde.

Die Zahlen machen Mut. Eine systematische Übersichtsarbeit für die europäische Leitlinie ergab, dass die Taschentiefe nach der subgingivalen Instrumentierung (Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands) nach 6 bis 8 Monaten im Mittel um 1,4 mm abnahm und sich 74 % der Taschen schlossen. Langfristig verloren Erwachsene in einer Studie über 30 Jahre regelmäßiger Nachsorge je nach Altersgruppe nur 0,4 bis 1,8 Zähne pro Person.

Das Wichtigste

Parodontitis wird stabilisiert, nicht ein für alle Mal geheilt. Behandeltes Zahnfleisch bleibt empfindlich: Es braucht eine darauf abgestimmte Pflege und regelmäßige Nachsorgetermine, deren Abstand sich nach Ihrem persönlichen Risikoprofil richtet.

Wie wird Parodontitis behandelt? Die vier Stufen der EFP

Die Behandlung der Parodontitis folgt vier Stufen, die die Europäische Föderation für Parodontologie in ihrer klinischen Leitlinie von 2020 festgelegt hat: Verhaltensänderung und Kontrolle der Risikofaktoren, Reinigung unterhalb des Zahnfleischs, Behandlung von Stellen, die nicht ansprechen, und lebenslange unterstützende Nachsorge.

Stufe Ziel In der Praxis
1. Biofilm und Risikofaktoren kontrollieren Tägliche Gewohnheiten ändern Anleitung zu Zähneputzen und Zahnzwischenraumreinigung, Zahnsteinentfernung oberhalb des Zahnfleischs, Hilfe beim Rauchstopp, Diabeteseinstellung
2. Subgingivale Instrumentierung Biofilm und Zahnstein unter dem Zahnfleisch entfernen Tiefenreinigung der Wurzeloberflächen, oft unter örtlicher Betäubung
3. Nicht ansprechende Stellen behandeln Verbleibende tiefe Taschen erreichen Erneute Instrumentierung oder Chirurgie (Zugangs- oder regenerative Chirurgie)
4. Unterstützende Parodontitistherapie Rückfällen vorbeugen Termine alle 3 bis 12 Monate, je nach Ihrem Risiko

Stufe 2, oft Tiefenreinigung genannt, ist das Herzstück der nichtchirurgischen Behandlung. Wie sie abläuft, wie schmerzhaft sie ist und wie die Heilung verläuft, beschreiben wir in Parodontitisbehandlung: Ablauf der Tiefenreinigung, Schmerzen und Nachsorge.

Viele „Hausmittel“ versprechen, Parodontitis zu heilen. Keines ersetzt die professionelle Behandlung, und manche schaden Zahnfleisch oder Zahnschmelz. Einen Überblick gibt unser Artikel Hausmittel gegen Parodontitis: was hilft, was schadet.

Zahlt die Krankenkasse die Parodontitisbehandlung?

Die Kostenübernahme unterscheidet sich stark von Land zu Land.

  • Deutschland: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt eine strukturierte Behandlungsstrecke, die der Gemeinsame Bundesausschuss in der PAR-Richtlinie festgelegt hat: Aufklärungs- und Therapiegespräch, individuelle Mundhygieneunterweisung, antiinfektiöse Therapie, Befundevaluation drei bis sechs Monate später, bei Bedarf chirurgische Therapie und schließlich die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) über zwei Jahre. Wie oft UPT-Termine möglich sind, hängt vom Grad ab: bis zu zweimal bei Grad A, bis zu viermal bei Grad B und bis zu sechsmal bei Grad C. Die professionelle Zahnreinigung ist laut KZBV dagegen keine regelhafte Kassenleistung, viele Krankenkassen zahlen aber freiwillig einen Zuschuss.
  • Schweiz: Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit zahlt die obligatorische Grundversicherung zahnärztliche Behandlungen nur im Zusammenhang mit schweren, nicht vermeidbaren Erkrankungen des Kausystems oder bei schweren Allgemeinerkrankungen.
  • Österreich und andere Länder: Klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Zahnarztpraxis und Ihrer Krankenkasse.

Wo auch immer Sie leben: Lassen Sie sich einen schriftlichen Behandlungsplan mit Kostenvoranschlag geben.

Wie wirkt sich Parodontitis auf den übrigen Körper aus?

Unbehandelt führt Parodontitis nach und nach zum Verlust von Zähnen. Sie steht außerdem in Verbindung mit Allgemeinerkrankungen, vor allem Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch wenn Ursache und Wirkung nicht immer belegt sind.

Für Ihre Zähne und Implantate

Je mehr Knochen verloren geht, desto lockerer werden die Zähne, bis sie ausfallen. Eine Parodontitis in der Vorgeschichte spielt auch bei Implantaten eine Rolle, denn dieselbe Dysbiose kann sich um sie herum entwickeln und eine Periimplantitis auslösen. Mehr dazu in Periimplantitis: Symptome, Ursachen, Behandlung und Vorbeugung.

Für Ihre Allgemeingesundheit

Bei Diabetes wirkt der Zusammenhang in beide Richtungen. Ein Cochrane-Review von 2022 zeigte mit mittlerer Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, dass die Parodontitisbehandlung bei Menschen mit Diabetes den HbA1c-Wert drei bis vier Monate nach der Behandlung um absolut 0,43 Prozentpunkte senkte.

Für das Herz bestätigte ein Konsensbericht der EFP und der World Heart Federation von 2020 signifikante Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Andere Verbindungen, etwa zu Schwangerschaft oder Demenz, werden mit unterschiedlich starker Evidenz erforscht. Zahlen und Grenzen dieser Studien beleuchten wir in Parodontitis und Allgemeingesundheit: Diabetes, Herz, Schwangerschaft und Demenz.

Wie können Sie Parodontitis vorbeugen?

Parodontitis vorbeugen heißt, den Biofilm jeden Tag zu kontrollieren, ohne das Zahnfleisch zu verletzen: zweimal täglich mindestens zwei Minuten sanft mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen, täglich die Zahnzwischenräume reinigen und regelmäßig zur Kontrolle gehen.

So lauten die Patientenempfehlungen der EFP. Sie rät außerdem, die Zahnzwischenräume vor dem Zähneputzen zu reinigen und Zahnseide nur dort zu verwenden, wo die Lücken für Interdentalbürsten zu eng sind. Die Schweizer SSO ergänzt, dass Interdentalbürstchen am besten reinigen und einfacher zu handhaben sind als Zahnseide. Auch die Österreichische Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) empfiehlt, mindestens zweimal täglich zu putzen und die Zwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen zu reinigen.

  • Zähneputzen: Ein Cochrane-Review von 2014 ergab, dass elektrische Zahnbürsten nach drei Monaten 21 % mehr Plaque und 11 % mehr Zahnfleischentzündung reduzierten als Handzahnbürsten.
  • Zahnzwischenräume: Eine Zahnbürste erreicht die Räume zwischen den Zähnen nicht, und genau dort beginnt Parodontitis oft. Verwenden Sie für jede Lücke eine Interdentalbürste in passender Größe.
  • Sanftheit: Bei empfindlichem Zahnfleisch verstärken starker Druck und harte Borsten den Zahnfleischrückgang. Das richtige Werkzeug ist weich und präzise.
  • Nachsorge: Nach der Behandlung nehmen Sie die Nachsorgetermine in dem Abstand wahr, den Ihr Zahnarztteam festlegt.

Der Gum Health Day der EFP, jedes Jahr am 12. Mai, ist ein guter Anlass, einen Zahnfleisch-Check zu vereinbaren. Eine realistische Routine Schritt für Schritt finden Sie in unserem Ratgeber Mundhygiene-Routine morgens und abends: Schritt für Schritt. Und wenn Sie sich neu ausstatten möchten, haben wir die Kriterien verglichen in Was ist die beste elektrische Zahnbürste zur Vorbeugung und Bekämpfung von Parodontitis und Gingivitis?.

Der EDELWHITE-Tipp

EDELWHITE, die Schweizer Marke, die auf Zahnfleischgesundheit spezialisiert ist, entwickelt ihre Produkte so, dass sie den Biofilm kontrollieren, ohne empfindliches Zahnfleisch zu strapazieren. Sie ergänzen die Behandlung durch Ihre Zahnärztin, Ihren Zahnarzt oder Ihre Fachpraxis für Parodontologie, ersetzen sie aber nie.

  • Die Schallzahnbürste EW-SG8+ Sonic Generation Health Suite: 45.000 Bewegungen pro Minute, ein Sensitiv- und ein Massagemodus sowie patentierte Konex-HD-Filamente, die zu den feinsten auf dem Markt gehören (Spitze von etwa 0,02 mm). Sie erreichen den Sulkus und fangen zu starken Druck ab.
  • Die Aufsteckbürsten des Perio-Care Set: Der Einbüschelkopf Target erreicht den Zahnfleischrand und die Zahnzwischenräume, der ultraweiche Focus-Kopf schmiegt sich an jeden einzelnen Zahn.
  • Das Interdentalbürsten-Starterset in 6 Größen, damit Sie für jede Lücke die passende Größe finden.
  • Die kabellose Munddusche Flosserpik Power Spa mit Sensitive-Modus und subgingivalem Aufsatz, als Ergänzung zu Zahnbürste und Interdentalbürsten.

Das gesamte Sortiment finden Sie in unserer Kollektion für Parodontitis- und Gingivitis-Pflege.

Häufige Fragen zu Parodontitis

Parodontitis oder Parodontose: Was ist der Unterschied?

Parodontitis ist der korrekte medizinische Begriff für die chronische Entzündung des Zahnhalteapparats. „Parodontose“ ist ein umgangssprachlicher Begriff, der nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung heute dasselbe meint; Fachleute sprechen von Parodontitis. „Parodontalerkrankung“ und „Zahnfleischerkrankung“ sind Oberbegriffe, die sowohl die Gingivitis (Zahnfleischentzündung) als auch die Parodontitis umfassen.

Ist Parodontitis ansteckend?

Parodontitis ist nicht ansteckend wie eine Grippe. Die mit der Erkrankung verbundenen Bakterien können zwar über den Speichel zwischen Familienmitgliedern oder Paaren übertragen werden, doch das Tragen dieser Bakterien allein löst keine Parodontitis aus. Ob die Erkrankung entsteht, hängt von Mundhygiene, Rauchen, Diabetes, Veranlagung und Immunabwehr ab. Wird Ihr Partner oder Ihre Partnerin behandelt, ist eine Kontrolle Ihres Zahnfleischs sinnvoll.

Tut Parodontitis weh?

Meist nicht. Parodontitis schreitet oft jahrelang schmerzlos voran und wird deshalb häufig spät entdeckt. Typische Zeichen sind Zahnfleischbluten, Mundgeruch, Zahnfleischrückgang oder Kälteempfindlichkeit. Starke Schmerzen, eine Schwellung oder Eiter deuten auf einen parodontalen Abszess hin, mit dem Sie rasch zur Zahnärztin oder zum Zahnarzt gehen sollten.

Verliere ich bei Parodontitis meine Zähne?

Nicht zwangsläufig. Wird Parodontitis diagnostiziert, behandelt und durch regelmäßige Nachsorge begleitet, behalten die meisten Menschen den Großteil ihrer Zähne über Jahrzehnte. Das Risiko steigt vor allem, wenn tiefe Taschen bestehen bleiben, weiter geraucht wird oder die Nachsorgetermine ausbleiben.

Kann man Parodontitis zu Hause ohne Zahnarzt behandeln?

Nein. Eine sorgfältige Mundhygiene zu Hause ist unverzichtbar, kann aber Zahnstein und Biofilm tief in den Zahnfleischtaschen nicht entfernen. Das gelingt nur mit einer professionellen Reinigung unterhalb des Zahnfleischs; Mundspülungen, Kräuter oder Öle ersetzen sie nicht. Umgekehrt halten die Ergebnisse der Behandlung ohne wirksame tägliche Mundhygiene nicht an.

Ist Parodontitis erblich?

Teilweise. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2019 schätzt, dass bis zu einem Drittel der Unterschiede im Parodontitis-Risiko zwischen Menschen genetisch erklärt wird, bei schweren Formen mehr. Vererbt wird eine Anfälligkeit, nicht die Erkrankung selbst. Haben Ihre Eltern früh Zähne wegen des Zahnfleischs verloren, sagen Sie es Ihrem Zahnarztteam und lassen Sie Ihr Zahnfleisch regelmäßig kontrollieren.

In welchem Alter beginnt Parodontitis?

Parodontitis kann schon in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter beginnen, wird mit dem Alter aber häufiger. Nach einer globalen Übersichtsarbeit von 2014 im Journal of Dental Research erreichen Neuerkrankungen an schwerer Parodontitis um das 38. Lebensjahr ihren Höhepunkt. Schnell fortschreitende Formen (Grad C) können auch junge Menschen treffen, daher rechtfertigt wiederholtes Zahnfleischbluten in jedem Alter eine Untersuchung.

Kann Parodontitis nach der Behandlung zurückkommen?

Ja, denn die zugrunde liegende Anfälligkeit bleibt bestehen. Deshalb empfiehlt die Europäische Föderation für Parodontologie nach der aktiven Behandlung eine unterstützende Parodontitistherapie im Abstand von 3 bis 12 Monaten, abgestimmt auf das Risikoprofil jedes Patienten. Gründliche tägliche Mundhygiene, ein Rauchstopp und ein gut eingestellter Diabetes senken das Rückfallrisiko.

Kann ich selbst testen, ob ich ein Parodontitis-Risiko habe?

Ja, als erste Einschätzung. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) bietet mit der Universität Greifswald einen validierten Selbsttest an, den Parodontitis-Risikoscore mit sieben einfachen Fragen (selbsttest.dgparo.de). Er zeigt, ob ein erhöhtes Risiko wahrscheinlich ist. Eine Diagnose ersetzt er nicht: Dafür sind die Taschenmessung und gegebenenfalls Röntgenbilder in der Zahnarztpraxis nötig.

Welche Zahnbürste ist bei Parodontitis die beste?

Wählen Sie eine weiche Zahnbürste, die den Zahnfleischrand gründlich reinigt, ohne ihn zu verletzen. Laut einem Cochrane-Review von 2014 reduzieren elektrische Zahnbürsten Plaque und Zahnfleischentzündung nach drei Monaten stärker als Handzahnbürsten. Achten Sie auf sehr feine, weiche Filamente, einen Modus für empfindliches Zahnfleisch und kontrollierten Druck, und ergänzen Sie immer die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume.

Zahlt die Krankenkasse die Parodontitisbehandlung?

Das hängt vom Land und von Ihrer Versicherung ab. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung eine strukturierte Parodontitistherapie nach der PAR-Richtlinie, einschließlich der unterstützenden Parodontitistherapie über zwei Jahre. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung zahnärztliche Behandlungen nur bei schweren, nicht vermeidbaren Erkrankungen des Kausystems oder schweren Allgemeinerkrankungen. In Österreich und anderswo lassen Sie sich am besten vorab einen schriftlichen Kostenvoranschlag geben.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt nicht die Beratung durch Ihre Zahnärztin, Ihren Zahnarzt oder eine Fachpraxis für Parodontologie.